Fünf herausragende Bildende Künstlerinnen mit Kindern aus Nordrhein-Westfalen sollen in den nächsten fünf Monaten die Möglichkeit haben, Kunst und Familie besser miteinander zu vereinbaren.
Christine Erhard: Haus des Weinbauern
Kultur- und
Familienministerin Ute Schäfer vergab jetzt im Rahmen der Förderung "Präsenz
vor Ort - Stipendium für Bildende Künstlerinnen mit Kindern" an die in
Düsseldorf lebenden Künstlerinnen Christine Erhard und Ulrike Kessl,
die Essener Künstlerinnen Daniela Risch und Isabel Hernandez sowie die
in Münster lebende Künstlerin Hyung-Gyoung Kim Stipendien in Höhe von
insgesamt 25.000 Euro.
Die Stipendiatinnen erhalten über fünf Monate
jeweils 1.000 Euro monatlich, um an ihren Wohnorten ihrer Kunst
nachzugehen.
"Kunst
schaffen und Familie haben - das darf kein Widerspruch sein. Mit dem
Stipendium wollen wir hier ein Zeichen setzen. Fünf Monate lang sollen
die Künstlerinnen ohne große finanzielle Zwänge an ihrem eigenen
Wohnort Kunst und Familie miteinander vereinbaren können", erklärte die
Kultur- und Familienministerin.
Preise und Stipendien, die an einen
Wohnortwechsel gekoppelt sind, können von Künstlerinnen mit Kind häufig
nicht wahrgenommen werden.
Die
Auswahl der fünf Stipendiatinnen traf eine Fachjury unter Vorsitz von
Dr. Marion Ackermann, Direktorin der Düsseldorfer Museen K20/ K21, aus
insgesamt 162 Bewerbungen.
Seit 1997 werden von der Landesregierung alle zwei Jahre fünf Stipendien an herausragende Künstlerinnen mit Kind vergeben. Die Organisation hat das Frauenkulturbüro NRW im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen übernommen.
Die Stipendiatinnen:
Christine Erhard betritt mit ihren neuen konstruierten Fotografien zunehmend
stärker formales Neuland. Dabei fügt sie auf überraschend irritierende
Weise Elemente zusammen, die so eigentlich nicht zusammen gehören,
die aber einer ästhetisch zwingenden, inneren Bildlogik gehorchen.
Dabei argumentiert die Künstlerin sowohl mit malerischen als auch mit
architektonisch-räumlichen Effekten, die sich gegenseitig bedingen.
Isabel
Hernandez erzählt in ihren Foto- und Videoarbeiten mit einer fesselnden
Beiläufigkeit von der Banalität des Alltags. Einige Aufnahmen besitzen dabei eher dokumentarischen Charakter, andere wiederum
wirken wie bühnenhafte Inszenierungen in der realen Welt. Mit sicherem
Gespür für den richtigen Augenblick erzeugt die Künstlerin Bilder, die
aus der Spannung von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung leben.
Ulrike
Kessl ist eine konsequente, immer situationsbezogen arbeitende
"Raumbesetzerin". Sie schafft mehr oder minder begeh- oder bespielbare Skulpturen, sowohl im öffentlichen Stadtraum als auch in geschlossenen, zum Teil ungewöhnlichen Ausstellungsbereichen. Mit unterschiedlichen
Materialien oder auch Objekten arbeitet sie dabei mit oder ganz bewusst
auch gegen architektonische Vorgaben. Ihre Zeichnungen verdeutlichen dabei sehr anschaulich den Prozess vom räumlichen Denken in die plastische Tat.
Hyun-Gyoung
Kim erweist sich in ihrem zeichnerischen und plastischen Werk als eine
humorvolle und fabulierfreudige Künstlerin. Das Vokabular ihrer
sehr präzise durchdachten und materialsinnlich ausgeführten Arbeiten
wirkt ebenso eigenständig wie auch eigenwillig. Die zum Teil bizarren
Geschöpfe und der mit ihnen hintersinnig in Szene gesetzte Bildwitz
sprechen für die hohe Einbildungskraft und den lustvollen Gestaltungswillen dieser Künstlerin.
Daniela
Risch arbeitet mit den Medien Foto und Film. Ihre Aufnahmen und
bewegten Bilder stellen sich auf sehr beeindruckende Weise in die
Tradition der klassischen Porträt- und Genre-, bzw. Landschaftsmalerei.
So etwa bei der Selbstinszenierung als Mutter der Künstlerin in deren
Kleidern und Wohnumfeld oder der bei der ruhigen Kamerafahrt entlang
eines schmuddeligen Kanals, bei der selbst eine Kläranlage Bildschönheit
erlangt. Was zunächst altmodisch anmutet, erweist sich dann aber
schnell als technisch, ästhetisch und auch gesellschaftspolitisch ganz
auf der Höhe unserer Gegenwart.
Bicher (DE) - 12.08.10 OID25896
Kaleidoskop allgemein